Schulpartnerschaft-Georgien

Das Gymnasium unterhält eine Partnerschaft zu einer weiterführenden Schule in Batumi (Georgien).
Schülergruppen besuchen sich gegenseitig einmal im Jahr, um die andere Kultur und das jeweils andere Schulsystem kennenzulernen.

Schüleraustausch mit Georgien

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Wenn es um Schüleraustausche geht, denkt man, zu mindestens in Sachen Reiseziele, an typische Länder wie England, Frankreich oder Italien. Bevorzugt werden diese europäischen Länder durch ihre verbreiteten Sprachen und ihre in aller Welt bekannte Kultur. Doch das Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Babelsberg entschied sich anders. Georgien sollte es werden. Das eher kleine Land mit rund 4 Millionen Einwohnern, gelegen am Schwarzen Meer, ist eingeklemmt zwischen seinen großen Nachbarn Russland und Türkei. Georgien ist zwar gerade mal so groß wie Bayern, hat aber dennoch eine beindruckende kulturelle Vielfalt zu bieten. Auch die georgische Sprache, mit ihren kryptischen Schriftzeichen, ist ein eindeutiges Merkmal für den vorderasiatischen Staat. Durch sein subtropisches Klima und die ersten Ausläufer des Kaukasus hat Georgien eigentlich sogar touristische Attraktivität vorzuweisen. Gymnasiallehrerin Sybille Raphael erzählt: "Wir hatten mal einen georgischen Schüler an unser Schule. Zusammen mit seinen Eltern entstand die Idee einer Zusammenarbeit in Form eines regelmäßigen Schüleraustausches." Die Austauschschule liegt in der Hafenstadt Batumi, im südwestlichen Teil Georgiens. Vom 3. bis 11. Juni besuchten 10 georgische Schülerinnen und Schüler Potsdam. Im September erfolgt der Gegenbesuch von den deutschen Schülern der 8. Klasse. Untergebracht wurden die georgischen Schüler in ihren deutschen Gastfamilien. In Georgien werden dann die deutschen Schüler von den Familien ihrer früheren Gastgeber aufgenommen. Geplant waren unter anderem ein Ausflug zum Schloss Sanssouci, einen Rundgang in der Biosphäre Potsdam, eine Flussfahrt mit einem Dampfer der Weißen Flotte und ein Besuch des Babelsbergers Filmparks. Auch eine Kahnfahrt im Spreewald darf nicht fehlen. Die Schüler des Gymnasiums lernten dabei viel über die Kultur Georgiens. Auch kurioses: "Alle Georgier lieben Schokolade, das liegt daran, dass Schokolade dort selten und teuer ist", erklärt die Schülerin Klara Kertzscher. Georgisches Essen ist für deutsche Münder sowieso etwas Neues. Viel Hähnchen, Auberginen und Walnüsse kommen auf den Tisch. Einige deutsche Schüler haben sich sogar georgische Kochbücher gekauft. In Sachen Verständigung gab es zum Glück wenige Probleme. Alle Austauschschüler verstanden Englisch, Russisch und lernten sogar ein bisschen Deutsch. Da kamen die deutschen Schüler natürlich nicht mit, Russisch lernen wäre ja noch drin, aber Georgisch ist zu viel verlangt. Dennoch bemühten sich die deutschen Schüler zu mindestens sich ein wenig Reiseführer-Georgisch anzueignen. Man will ja im September nicht völlig hilflos sein. Die Georgier bleiben aber, auch ohne die korrekte Aussprache des Ü, Sprachmeister. Dort machen schließlich fast 90% der Schüler Abitur. Die Frage, ob diese fantastische Quote nun durch ein zu lockeres Schulsystem, oder wirklich durch übermäßig intelligente georgische Schüler zu Stande kommt sei mal dahin gesellt. In Georgien gelten nicht die Noten eins bis sechs wie bei uns, sondern zehn bis eins. Wobei die zehn Bestnote ist und die eins der deutschen sechs entspricht. Doch nur mit guten Sprachkenntnissen ist eine Reise nach Deutschland noch nicht möglich. Der finanzielle Aspekt spielt gerade in Georgien eine große Rolle. Sybille Raphael erklärt: "Für die Familien der Austauschschüler ist so eine Reise eine enorme finanzielle Belastung. Ein georgischer Lehrer verdient umgerechnet ungefähr 250 Euro. Die Flugzeugtickets von Georgien nach Deutschland kosten allein schon um die 350 Euro, also das Vielfache eine georgischen Monatsgehaltes." Die deutschen Schüler müssen ihre Flüge zwar auch selber bezahlen, doch werden Aktivitäten im Rahmen des Austauschprogramms großzügig unterstützt. "Ohne die Unterstützung des Pädagogischen Austauschdienstes und der Stiftung West-Östliche Begegnungen wäre so ein Projekt wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Auch die Weiße Flotte, der Filmpark und die Biosphäre Potsdam haben solche interessanten Ausflüge erst ermöglicht.", dankt Sybille Raphael. Den Georgiern hat der Ausflug in die Biosphäre und die Flussfahrt auf jeden Fall sehr gefallen. Mit Kameras liefen sie von einer Attraktion zur nächsten, die Vorfreude auf das nächste Ziel war ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch die deutschen Schüler hatten viel Neues zu entdecken. Der Besuch der russisch-orthodoxen Kirche war dabei vielleicht eines der einschneidensten Erlebnisse. Dort konnten sie ihren Gästen einmal beim Ausüben ihrer, doch etwas anderen, Religion über die Schulter schauen. Kerzen anzünden kennt man ja, aber Ikonen küssen und das Aufsetzen eines Kopftuches eher nicht. Da kommen natürlich Fragen auf. Antworten gibt es entweder beim Gastschüler oder im Unterricht. Heute sitzen die georgischen Austauschschüler bereits im Flugzeug. Der nächste Austausch ist in zwei Jahren geplant.

Sidney Szilleweit